Lagerhalle mit Cardboard-Box mit Barcode-Etikett, Barcode-Scanner und Versanddokument auf Arbeitstisch im Vordergrund, befüllte Regalflächen und weitere Boxen im Hintergrund
Hinweis: Dieses Bild wurde mit künstlicher Intelligenz erstellt. Microsoft Dynamics 365 Microsoft Dynamics 365

Steffi Favetto 6 Minuten

Order-to-Cash automatisieren: vom Warenkorb bis zur Buchung in MS Dynamics 365

Montagmorgen, dreiundvierzig Bestellungen aus dem Wochenende. Jemand öffnet das Shop-Backend, überträgt Kundennummer, Artikelnummern und Mengen in einen Verkaufsauftrag in MS Dynamics 365, prüft nebenbei den Bestand und legt für zwei Neukunden erst einmal ein Debitorenkonto an. Gegen Mittag ist die Liste abgearbeitet. Zwischen dem Klick auf „Bestellen" und dem gebuchten Beleg im ERP liegt in vielen Häusern genau diese Strecke: Handarbeit.

Das kommt Ihnen bekannt vor: die Bestellung entsteht zweimal

Der Shop hat alles, was gebraucht wird. Kunde, Positionen, Mengen, Lieferadresse, Zahlart. Trotzdem entsteht die Bestellung im ERP ein zweites Mal, weil beide Systeme unterschiedliche Vorstellungen davon haben, was ein Kunde ist und wie ein Artikel heißt.

Der Aufwand steckt nicht im Abtippen, sondern in den Ausnahmen. Ein Neukunde ohne Debitorenkonto. Ein Artikel, den der Shop unter einer anderen Nummer führt. Eine Staffelpreisstufe, die der Shop anders gerechnet hat als das ERP. Jeder dieser Fälle unterbricht die Reihe und endet in einer Rückfrage bei jemandem, der gerade etwas anderes tut.
Dazu kommt der zeitliche Versatz. Solange die Bestellung nur im Shop steht, sieht das Lager sie nicht und die Buchhaltung auch nicht. Auf die Frage nach dem Liefertermin bekommt der Kunde deshalb eine Schätzung statt einer Auskunft.

Vier Übergabepunkte zwischen Shop und MS Dynamics 365

Order-to-Cash klingt nach einem durchgehenden Prozess. Tatsächlich sind es vier Übergaben, die unabhängig voneinander gelingen oder scheitern:

  • Auftrag: Die Shop-Bestellung wird zum Verkaufsauftrag in MS Dynamics 365, mit Debitor, Positionen und Konditionen.
  • Bestand: Die Verfügbarkeit aus dem ERP steht im Shop, über alle Lagerorte hinweg.
  • Lieferung: Lieferschein und Trackingnummer laufen aus dem ERP zurück in den Shop und in die Kundenkommunikation.
  • Rechnung: Der Rechnungsbeleg entsteht im ERP und ist dort buchhalterisch dokumentiert.

Diese vier lassen sich einzeln automatisieren, und genau das passiert in der Praxis meistens. Ein Haus hat den Bestand live und tippt die Aufträge. Ein anderes überträgt Aufträge automatisch und meldet den Versandstatus per Sammelmail zurück. Beides funktioniert, aber die Kette trägt nur so viel wie ihr schwächster Übergang.

ℹ️ Order-to-Cash bezeichnet die Strecke vom Kundenauftrag bis zum Zahlungseingang. Dieser Beitrag behandelt sie bis zum Rechnungsbeleg im ERP. Zahlungsabgleich, offene Posten und Mahnlauf schließen daran an, laufen aber innerhalb von MS Dynamics 365 und nicht mehr über die Shop-Schnittstelle.

Stammdaten entscheiden, ob die Automatisierung trägt

Die Versuchung ist groß, mit dem Auftrag anzufangen. Er ist sichtbar, er kostet die meiste Handarbeit, und die Wirkung zeigt sich am ersten Tag. Eine Auftragsschnittstelle auf einem uneinheitlichen Stammdatenbestand automatisiert allerdings vor allem die Fehler.

Drei Zuordnungen gehören davor geklärt. Welche Artikelnummer gilt, wenn Shop und ERP unterschiedliche führen? Wie findet die Schnittstelle den Debitor zu einem Shop-Konto, und was tut sie bei einem Neukunden: anlegen, oder in eine Prüfliste schreiben? Welches System rechnet den Preis, wenn im ERP Staffelpreise hinterlegt sind und im Shop eine Aktionslogik läuft?

Diese Fragen sind unangenehm, weil sie nicht technisch sind. Sie klären Zuständigkeiten zwischen Vertrieb, Einkauf und Buchhaltung, und dafür ist selten jemand allein zuständig. Wer sie überspringt, merkt es an dem Punkt, an dem die Schnittstelle läuft und trotzdem jeden Morgen zwanzig Aufträge im Fehlerprotokoll liegen. Dann arbeitet das Team dieselbe Liste ab wie vorher, nur an einer anderen Stelle.

Order-to-Cash mit OXID eShop und MS Dynamics 365: das Beispiel Voltus

Voltus handelt mit Elektromaterial und Beleuchtung und bedient B2B und B2C aus demselben Sortiment. ESYON hat dort ein OXID ePortal mit MS Dynamics 365 Finance and Operations und Perfion PIM verbunden. Rund 35.000 Produkte laufen über diese ERP-Integration, Go-Live war im Mai 2024.

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Aufschlussreich an dem Fall ist die Rollenverteilung. Perfion hält die Produktdaten, MS Dynamics 365 hält Preise, Bestände und Belege, der Shop hält die Bestellung, bis sie als Verkaufsauftrag übernommen ist. Jedes System führt genau das, was zu seiner Aufgabe gehört. Die Schnittstelle transportiert, sie entscheidet nicht.

An OXID gebunden ist dieser Weg nicht. Alphabetisch: Für Amazon gibt es den Amazon Marketplace Connector samt Abgleich gegen den Settlement Report, für OXID die OXID eShop Integration, für Shopify die Shopify Integration. Die vier Übergabepunkte bleiben in allen Fällen dieselben. Was sich unterscheidet, ist der Umfang dessen, was der Standard schon abdeckt, und wie viel im Projekt dazukommt.

Woran Sie merken, dass die Kette läuft Drei Werte zeigen den Fortschritt, und alle drei lassen sich schon vor dem Projekt erheben:

  • die Zeit zwischen Bestelleingang im Shop und Auftrag im ERP
  • der Anteil der Aufträge, die ohne manuellen Eingriff durchlaufen
  • die Zahl der Rückfragen zum Liefer- und Rechnungsstatus

Ohne diese Ausgangswerte bleibt jede spätere Aussage über den Nutzen eine Behauptung. Zwei Wochen mitschreiben reicht, und die Erhebung kostet niemanden mehr als eine Strichliste. Realistisch ist dabei nicht, dass jeder Auftrag ohne Zutun durchgeht. Sonderkonditionen, Teillieferungen und Reklamationen brauchen weiterhin einen Menschen, der entscheidet. Realistisch ist, dass der Normalfall ohne Zutun läuft und die Ausnahmen sichtbar in einem Protokoll landen, statt sich in einem Posteingang zu verstecken.

Im nächsten Schritt schreiben sie Ihre eigene Auftragsstrecke einmal mit

Nehmen Sie die Bestellungen einer normalen Woche und notieren Sie für jede, ob sie ohne manuellen Eingriff in MS Dynamics 365 gelandet wäre. Bei den übrigen halten Sie fest, woran es gelegen hätte: fehlender Debitor, abweichende Artikelnummer, Preis, Bestand. Diese Liste sagt mehr über das Automatisierungspotenzial als jede Systemdemo. Im Gespräch ordnen wir ein, welche Systeme betroffen sind und was der nächste Schritt ist.

Häufige Fragen zu Order-to-Cash mit MS Dynamics 365

Eine belastbare Anbindung nimmt Bestellungen in eine Warteschlange und arbeitet sie nach der Störung nach. Wichtig ist, dass ein Auftrag dabei nicht doppelt entsteht, dass jeder fehlgeschlagene Vorgang mit Grund im Protokoll steht und dass jemand benannt ist, der dieses Protokoll ansieht. Die Frage nach dem Wiederanlauf gehört ins Lastenheft, nicht in die Betriebsphase.

Ja. Beide Varianten von MS Dynamics 365 kennen Debitor, Verkaufsauftrag, Lieferung und Rechnung, und die vier Übergabepunkte sind identisch. Unterschiede liegen in der Tiefe der Lager- und Preislogik und darin, welche Felder eine Standardanbindung mitbringt. Welche Variante im konkreten Fall vorliegt, ändert die Reihenfolge der Klärung nicht.

Für Order-to-Cash nicht. Die Kette braucht Artikelnummer, Preis und Bestand, und die kommen aus dem ERP. Ein PIM-System wird relevant, sobald Beschreibungstexte, Bilder, Varianten oder Übersetzungen dazukommen, denn dafür bringt ein ERP keine Redaktionsoberfläche mit. Die beiden Themen laufen unabhängig voneinander und lassen sich nacheinander angehen.

Die Menge ist nur ein Teil der Rechnung. Entscheidend sind Positionen pro Auftrag, Anteil an Neukunden und wie oft Konditionen abweichen. Zwanzig einfache Bestellungen sind schneller erfasst als fünf mit je dreißig Positionen und Staffelpreisen. Ein Blick auf die Bestellungen einer normalen Woche beantwortet die Frage zuverlässiger als eine Faustregel.